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Flackerfreies Licht: Warum LEDs besser sind als ihr Ruf – wenn man sie richtig betreibt

LEDs haben einen schlechten Ruf. Viele verbinden LED-Licht mit „kalt“, „anstrengend“, „flimmernd“, „Kopfschmerzen“, „Augenbrennen“, „komisches Kameraflimmern“ oder diesem typischen „billigen“ Lichtgefühl. Daraus entsteht schnell die Behauptung: LEDs sind schlechtes Licht.

Die Wahrheit ist deutlich nüchterner: LEDs können fantastisches Licht machen – oft besser als Halogen und deutlich effizienter. Aber nur dann, wenn sie richtig betrieben werden. Und „richtig“ heißt vor allem: flackerfrei.

In diesem Beitrag bekommst du eine ausführliche, praktische und technisch saubere Erklärung:

  • was Flackern überhaupt ist (sichtbar und unsichtbar)
  • warum viele LED-Lampen und LED-Strips flimmern
  • was PWM wirklich macht und warum viele es als „Müll“ empfinden
  • warum „flicker-free“ oft nur Marketing ist
  • wie du LED-Strips (z. B. 24 V COB/FCOB) so betreibst, dass nichts flackert
  • worauf du bei Netzteilen, Dimmern und Smart-Home achten musst
  • wie du flackerfreies Licht erkennst und testest (ohne Labor)

1) Was bedeutet „flackerfreies Licht“ überhaupt?

Flackern heißt: Die Lichtleistung schwankt in kurzer Zeit. Das kann man manchmal direkt sehen – oft aber nicht. Und genau da liegt das Problem: Unsichtbares Flackern kann trotzdem nerven oder belasten.

Wichtige Begriffe:

  • sichtbares Flackern: Du siehst klar, dass das Licht pulsiert oder zittert.
  • unsichtbares Flackern: Du siehst nichts, aber dein Nervensystem „merkt“ die Schwankungen.
  • Stroboskop-Effekt: Bewegungen wirken ruckelig oder „abgehackt“, z. B. Ventilator, rotierende Werkzeuge.
  • Kamera-Banding: Auf Videos erscheinen dunkle Balken oder das Bild pulsiert.

Entscheidend: Viele Leute sind unterschiedlich empfindlich. Manche merken sofort: „Boah, das Licht ist Mist.“ Andere sagen: „Ich sehe doch kein Flackern.“ Beides kann gleichzeitig stimmen – weil die Empfindlichkeit extrem variiert.


2) Warum flackern LEDs überhaupt?

LEDs sind Halbleiter. Sie reagieren extrem schnell. Wenn du die Stromzufuhr 1000-mal pro Sekunde an/aus schaltest, macht die LED das brav mit. Eine Glühbirne glimmt wegen ihrer Hitze träge nach – eine LED nicht.

Das bedeutet: LEDs zeigen gnadenlos jede Art von schlechter Stromversorgung oder schlechter Regelung.

Die typischen Ursachen:

Ursache A: Schlechte Netzteile (Ripple / Restwelligkeit)

Viele billige Schaltnetzteile liefern zwar „24 V“, aber in Wirklichkeit ist das eine 24-V-Welle mit Restwelligkeit.
Das kann zu leichtem Flimmern führen – besonders bei günstigen LED-Lampen oder Strips ohne gute Glättung.

Ursache B: PWM-Dimmung (Pulsweitenmodulation)

Das ist der Haupttreiber für „LED-Licht fühlt sich schlecht an“. PWM heißt:

  • LED bekommt volle Spannung
  • aber sie wird schnell ein- und ausgeschaltet
  • Helligkeit entsteht über das Verhältnis „An-Zeit zu Aus-Zeit“

Das ist billig, effizient und technisch simpel. Lichtqualität ist dabei oft zweitrangig.

Ursache C: Inkompatible Dimmer (Phasenanschnitt/abschnitt + falscher Treiber)

Bei 230-V-Lösungen (Wanddimmer) passiert häufig: Dimmer und LED-Treiber passen nicht zusammen. Ergebnis: Flackern, Summen, Aussetzer, mieser Dimmverlauf.


3) PWM: Warum viele es hassen, obwohl es „funktioniert“

PWM ist nicht automatisch „kaputt“. Es ist einfach eine Methode. Aber sie hat Eigenschaften, die viele Leute stören.

Das Prinzip

PWM dimmt nicht „sanft“, sondern taktet:

  • 100 % hell = dauerhaft an
  • 50 % hell = 50 % an / 50 % aus (sehr schnell)
  • 10 % hell = kurze An-Impulse, lange Aus-Zeit

Auch wenn das Auge bei hohen Frequenzen nicht mehr „bewusst“ flimmern sieht, bleibt das Licht ein Strom von Lichtimpulsen.

Warum PWM oft als schlechter empfunden wird

  • Augenstress: Manche Menschen reagieren auf die Impulsstruktur.
  • Kopfschmerzen: Klassiker bei niedrigen PWM-Frequenzen oder hoher Modulationstiefe.
  • Kameraprobleme: Smartphone-Videos zeigen häufig Balken.
  • Stroboskop-Effekt: Bewegungen unter PWM wirken komisch, besonders bei Werkstattlicht.
  • Billigcontroller: Spulenfiepen, unruhiger Dimmverlauf, sichtbare Artefakte bei niedriger Helligkeit.

„Flicker-free“ ist nicht gleich flackerfrei

Viele Hersteller nennen Produkte „flicker-free“, wenn die PWM-Frequenz einfach nur hoch genug ist, dass die meisten es nicht mehr sehen.
Das heißt nicht: kein PWM, sondern oft nur: hochfrequentes PWM.


4) Analoges Dimmen: Warum es das bessere Licht macht

Analoges Dimmen bedeutet: Strom oder Spannung werden wirklich reduziert, ohne Taktung.

Statt „voll an / aus / voll an / aus“ passiert:

  • LED bekommt einen ruhigen Gleichstrom
  • Helligkeit folgt direkt dem Strom
  • das Licht ist „glatt“, wie bei einer guten Glühlampe

Vorteile von analogem Dimmen

  • echtes flackerfreies Licht
  • keine PWM-Artefakte (auch nicht für Kamera)
  • sehr angenehmes Lichtgefühl
  • oft „wertiger“ Eindruck, besonders bei warmweiß

Nachteile (realistisch)

  • teurer
  • aufwendiger in der Planung
  • im Smart-Home-Bereich deutlich weniger „Plug & Play“
  • bei LED-Strips muss man wissen, was man tut

5) Der wichtige Praxisfall: 24-V-LED-Strip direkt am Netzteil

Jetzt die Frage, die in der Praxis alles entscheidet:

Wenn du einen LED-Strip einfach an ein gutes 24-V-Netzteil hängst – flackert das?

Normalfall: Nein.
Wenn das Netzteil stabil ist und der Strip korrekt betrieben wird, ist das Licht sehr ruhig.

Das ist sogar oft der „beste“ Zustand:

  • keine PWM
  • konstante Versorgung
  • maximale Lichtqualität

Wann kann es trotzdem flackern?

  • Netzteil ist billig und hat starke Restwelligkeit
  • Netzteil ist überlastet und regelt ständig nach
  • Kabel zu dünn/zu lang → Spannung bricht ein
  • schlechte Kontakte
  • Netzteil wird zu heiß und geht in Schutzmodus

Aber: Das sind keine LED-Probleme, sondern Versorgungsprobleme.


6) COB/FCOB-LED-Strips: Warum sie als Lichtquelle oft besser wirken

COB- oder FCOB-Strips sind beliebt, weil sie eine fast durchgängige Lichtlinie machen.
Im Vergleich zu klassischen SMD-Strips:

  • weniger „Punktlicht“
  • weniger harte Schatten
  • homogener Eindruck
  • in Profilen mit Diffusor sehr angenehm

Gerade für Wohnräume ist das häufig der „Halogen-Ersatz“, den viele suchen: indirektes, weiches Licht, aber effizient.

Wichtig: COB/FCOB zeigt PWM-Artefakte oft schneller, weil die Lichtfläche sehr gleichmäßig ist. Deshalb fällt schlechtes Dimmen dort besonders auf.


7) Dimmen ohne PWM im Smart Home: geht das überhaupt?

Jetzt wird’s interessant. Die meisten „smarten“ LED-Controller (Zigbee/WiFi) dimmen am Ausgang per PWM. Das ist nicht, weil es „besser“ ist, sondern weil es billig und einfach ist.

Wenn du wirklich ohne PWM dimmen willst, sind die saubersten Wege:

Weg 1: LED-Treiber 24 V mit analogem Dimm-Eingang (0–10 V oder DALI)

Das ist die professionelle Lösung:

  • 24-V-Konstantspannungs-Treiber (für LED-Strips)
  • Dimmung über 0–10 V oder DALI
  • der Treiber regelt die Ausgangsleistung sauber (ohne PWM am Strip, je nach Gerät)

Dann brauchst du im Smart Home:

  • einen Controller, der 0–10 V oder DALI steuert (z. B. über KNX/DALI-Gateway oder passende HA-Integration)

Weg 2: Voll hell flackerfrei + dimmen über Lichtgestaltung

Viele unterschätzen diese Option: Wenn du flackerfreies Licht willst und Dimmen nicht absolut zwingend ist:

  • guter Strip
  • gutes Netzteil
  • mehrere Lichtkreise (z. B. indirekt + direkt getrennt)
  • oder mehrere Zonen
  • oder feste Helligkeitsstufen über getrennte Strips

Ergebnis: Keine PWM, trotzdem „dimmbar“ über Kombinationen.


8) So erkennst du flackerfreies Licht (ohne Labor)

Du kannst ziemlich viel ohne Messgeräte herausfinden:

Test 1: Smartphone-Kamera (Video)

  • Kamera auf Video
  • auf die Lampe richten
  • wenn du dunkle Balken siehst: PWM oder starker Ripple

Achtung: Je nach Kamera kann es auch bei gutem Licht Balken geben, aber als grober Indikator taugt es.

Test 2: Bleistift-/Hand-Test

  • halte einen Stift und wackle schnell hin und her
  • bei starkem Flackern siehst du „Stroboskop-Kanten“

Test 3: Gefühl / Augen

Das ist kein Esoterik-Test. Wenn dich Licht nach 30 Minuten nervt, ist oft Modulation im Spiel.


9) Praxisempfehlung: So baust du richtig gutes, flackerfreies LED-Licht

Wenn du wirklich gutes Licht willst, ist die Reihenfolge:

Schritt 1: Entscheide dich für „flackerfrei als Priorität“

Das ist die wichtigste Entscheidung, weil sie Komponentenwahl bestimmt.

Schritt 2: Nimm einen hochwertigen 24-V-Strip

  • ideal: CRI 90+ (besser 95+)
  • warmweiß passend zum Raum (2700–3000 K für Wohnen)
  • COB/FCOB für homogene Linien

Schritt 3: Nimm ein gutes 24-V-Netzteil mit Reserve

Faustregel: 20–30 % Reserve.

Beispiel:
5 m Strip à 8 W/m = 40 W
Netzteil: 60 W oder 75 W

Schritt 4: Saubere Verkabelung

  • ausreichender Querschnitt
  • bei längeren Strips Einspeisung an mehreren Punkten (beidseitig oder mittig)
  • gute Klemmen/Verbinder

Schritt 5: Wenn Dimmen nötig ist – mach es sauber

  • entweder analog über 0–10 V / DALI und passenden Treiber
  • oder PWM nur dann, wenn Frequenz hoch genug ist und du es verträgst (und Kamera egal ist)

10)Nachteile von flackerfreiem Licht (ehrlich, ohne Schönreden)

Flackerfreies Licht hat einen Haken: es kostet Geld und macht die Planung aufwendiger. Der wichtigste Punkt ist das Netzteil bzw. der Treiber. Wenn du wirklich Ruhe willst (wenig Ripple, stabile Regelung, saubere EMV), landest du schnell bei hochwertigen Konstantspannungs-Treibern, und die liegen in der Praxis oft bei 60 € aufwärts, je nach Leistung auch deutlich darüber. Dazu kommt: Wer „smart“ will, merkt schnell, dass viele der typischen Smart-Controller zwar bequem sind, aber intern wieder PWM machen. Wenn du wirklich analog dimmen willst, wird es meistens komplizierter und teurer, weil du dann oft über 0–10 V-Steuerung gehst: das heißt zusätzliche Komponenten (0–10 V-Controller, ggf. Interface/Gateway, passende Treiber), mehr Verdrahtung und mehr Fehlerquellen. Und weil diese Treiber in der Regel 230 V direkt am Gerät brauchen und meist als Festeinbau gedacht sind (Klemmen statt DC-Stecker), ist das nicht immer „mal eben anstecken“. In vielen Fällen ist das ein Fall für den Elektriker, allein schon wegen Anschluss, Schutz, Normen und sauberer Installation. Noch ein Punkt, der gern falsch verstanden wird: Bei vielen hochwertigen, flackerarmen Setups geht es realistisch eher um CCT (also warmweiß/kaltweiß bzw. Kelvin-Steuerung) – „RGB“ im Sinne von echter, hochwertiger Farbwiedergabe ist in dem Kontext oft nicht das Ziel. Viele wollen eigentlich kein buntes Licht, sondern gutes Weißlicht. Und genau dafür ist CCT die passende Schiene – RGB ist meistens Spielerei, macht die Technik nicht einfacher und in „wirklich hochwertig und flackerfrei“ wird es schnell noch teurer.

11)Flackerfreie LED Stripes die ich zuhause betreibe

Ich verzichte hier bewusst auf Dimmen, weil es das Ganze unnötig verteuert und ich das im Arbeitszimmer oder in der Küche sowieso nicht brauche. So komme ich mit günstigen LED Stripes und günstigen Netzteilen aus. Mein Favorit ist der BTF-LIGHTING FCOB Strip, weil er günstig ist, gut aussieht, hell ist und wenig Strom braucht. Im Büro habe ich ihn einmal in Aluminium-Profilen rings um die Decke verlegt – die Helligkeit ist sehr gut zum Arbeiten. Der Strip lässt sich aber auch gut in Möbeln oder an der Küchenzeile usw. anbringen und liefert flackerfreies, angenehmes Licht. Als Netzteil, wenn es einfach in die Steckdose gesteckt werden soll, verwende ich dieses hier, aber im Prinzip sind mehr oder weniger alle 24-V-Netzteile mit DC-Stecker kompatibel. 1 m benötigt laut eigener Messung etwa 0,5 A, also 12 W pro Meter.

12) Fazit: LEDs sind sehr gutes Licht – wenn sie flackerfrei sind

LEDs sind nicht grundsätzlich „schlechtes Licht“.
Sie sind eine extrem gute Lichtquelle – aber sie sind ehrlich. Sie zeigen gnadenlos:

  • schlechte Netzteile
  • schlechtes Dimmen
  • PWM-Artefakte
  • schlechte Spektren

Wenn du dagegen folgende Basis einhältst:

  • stabile DC-Versorgung
  • kein PWM (oder sehr gute PWM, wenn unvermeidbar)
  • guter Strip (CRI, Farbtemperatur)
  • saubere Installation

… dann bekommst du Licht, das viele als „besser als Halogen“ empfinden – und das völlig zu Recht.