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Farbtemperatur (Kelvin): Warmweiß vs. Neutralweiß vs. Kaltweiß

Neben Lumen, Lux und Candela gibt es einen zweiten großen Stolperstein beim Thema Licht: die Farbtemperatur. Sie wird in Kelvin (K) angegeben und entscheidet nicht darüber, wie hell ein Raum ist, sondern wie das Licht wirkt.

1) Was Kelvin überhaupt bedeutet

Die Farbtemperatur beschreibt die Lichtfarbe, nicht die Wärme der Lampe. Der Begriff kommt aus der Physik: Ein sogenannter Schwarzkörper wird erhitzt und beginnt zu glühen. Je höher die Temperatur, desto mehr verschiebt sich das Licht von rötlich zu bläulich.

Wichtig für die Praxis:

  • Niedrige Kelvin-Zahl → warmes, gelbliches Licht
  • Hohe Kelvin-Zahl → kühles, bläuliches Licht

Das wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich („kalt = hohe Zahl“), ist aber reine Physik und kein Marketingtrick.

2) Warmweiß (ca. 2200–3000 K)

Warmweißes Licht erinnert an klassische Glühbirnen oder Kerzenlicht. Der Gelb- bis Orangestich ist deutlich sichtbar und wird vom Gehirn als gemütlich und entspannend wahrgenommen.

Typische Eigenschaften:

  • wenig Blauanteil
  • weiche Kontraste
  • Farben wirken wärmer, manchmal leicht gedämpft
  • Oberflächen sehen „wohnlich“ aus

Geeignet für:

  • Wohnzimmer
  • Schlafzimmer
  • Essbereiche
  • Bars, Restaurants, Hotels
  • überall dort, wo Atmosphäre wichtiger ist als maximale Sichtschärfe

Typischer Fehler:
Viele Menschen wählen Warmweiß auch für Arbeitsbereiche, weil es „angenehm“ wirkt. Das stimmt subjektiv – objektiv leidet aber die Detailerkennbarkeit, besonders bei Papier, Kabeln, Werkzeug oder Lebensmitteln.

Kurz gesagt: perfekt zum Entspannen, schlecht zum Arbeiten.

3) Neutralweiß (ca. 3500–4500 K)

Neutralweiß ist der Kompromiss zwischen Gemütlichkeit und Funktion. Das Licht wirkt sachlich, aber nicht kalt. Farben werden relativ natürlich wiedergegeben, ohne starken Gelb- oder Blaustich.

Typische Eigenschaften:

  • ausgewogenes Spektrum
  • gute Farberkennung
  • höhere visuelle Klarheit als Warmweiß
  • wenig emotionale Färbung

Geeignet für:

  • Küchen
  • Badezimmer
  • Flure
  • Werkstätten
  • Büros mit gemischter Nutzung
  • überall dort, wo man sehen und sich trotzdem wohlfühlen will

Neutralweiß ist oft die beste Wahl, wenn man unsicher ist. Es ist selten falsch, aber auch selten „romantisch“.

Merksatz: Neutralweiß ist funktional, ohne steril zu wirken.

4) Kaltweiß / Tageslichtweiß (ca. 5000–6500 K)

Kaltweißes Licht hat einen hohen Blauanteil und erinnert an Tageslicht zur Mittagszeit oder an bewölkten Himmel. Es wirkt aktivierend, nüchtern und sehr klar.

Typische Eigenschaften:

  • hoher Kontrast
  • sehr gute Detailerkennbarkeit
  • Farben wirken kühler und härter
  • kann auf Dauer anstrengend sein

Geeignet für:

  • Arbeitsplätze mit hoher Konzentration
  • Industriehallen
  • Garagen
  • Keller
  • Labore
  • Außenbeleuchtung
  • überall dort, wo Leistung wichtiger ist als Stimmung

Typischer Fehler:
Kaltweiß in Wohnräumen. Technisch „hell“, subjektiv oft unangenehm. Viele empfinden es als steril oder ungemütlich, besonders abends. Das liegt auch daran, dass der hohe Blauanteil den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus beeinflusst.

Kurz gesagt: sehr gut zum Arbeiten, schlecht zum Abschalten.

5) Warum Kelvin nichts über Helligkeit aussagt

Ein häufiger Irrtum: „Kaltweiß ist heller.“

Nein.
Eine Lampe mit 3000 K und eine mit 6000 K können exakt gleich viele Lumen haben. Der Unterschied ist rein subjektiv. Kaltweiß wirkt oft heller, weil das Auge auf blaulastiges Licht empfindlicher reagiert und Kontraste stärker wahrnimmt.

Das führt dazu, dass:

  • kaltweißes Licht oft überschätzt wird
  • warmweißes Licht fälschlich als „funzelig“ gilt

In Wahrheit ist das eine Wahrnehmungsfrage, keine physikalische.

6) Farbtemperatur und Tageszeit

Der Mensch ist evolutionär auf wechselndes Licht eingestellt:

  • morgens und mittags: kühleres, blauhaltiges Licht → Aktivierung
  • abends: warmes, gelbliches Licht → Entspannung

Deshalb wirkt warmweißes Licht abends angenehmer und kaltweißes Licht am Abend oft störend. Moderne Beleuchtungskonzepte (Stichwort „Human Centric Lighting“) machen sich genau das zunutze – mit wechselnder Farbtemperatur über den Tag.

Ohne Technik gesagt:
Abends warm, tagsüber neutral bis kühl funktioniert fast immer.

7) Typische Empfehlungen nach Raum

Ohne Tabellen, ohne Normen, rein praxisnah:

  • Wohnzimmer: 2700–3000 K
  • Schlafzimmer: 2200–2700 K
  • Küche: 3500–4000 K
  • Bad: 3500–4500 K
  • Arbeitsplatz: 4000–5000 K
  • Werkstatt / Garage: 5000–6500 K

Das sind keine Gesetze, sondern bewährte Erfahrungswerte. Persönliche Vorlieben spielen immer eine Rolle.

Fazit

Die Farbtemperatur entscheidet nicht über Helligkeit, sondern über Wirkung.

  • Warmweiß schafft Atmosphäre und Ruhe.
  • Neutralweiß ist sachlich und vielseitig.
  • Kaltweiß maximiert Sichtbarkeit und Konzentration.

Wer Licht nur nach Watt oder Lumen auswählt, lässt die halbe Wirkung liegen. Kelvin ist kein Nebendetail, sondern ein zentrales Gestaltungsmittel.