Hier geht’s nicht um „kann die jetzt auch lila leuchten“, sondern um die Sachen, die man erst nach einer Weile richtig spürt: Das Licht wirkt oft irgendwie künstlich, Farben kommen nicht richtig rüber und bei Video oder längerer Arbeit nervt es teilweise.
Was man eigentlich erwartet – und was man wirklich kriegt
Auf der Packung klingt alles top:
- ganz normale A60-Form, E27-Sockel
- ca. 806 Lumen (also so 60-Watt-Glühbirnen-Feeling)
- 2200–6500 K + alle Farben
- nur 8 Watt
Man denkt: „Perfekte Alltags-Smartbirne!“ Realität ist eher:
- super für Stimmung, indirektes Licht, bunte Effekte
- spitze für Automationen und smarte Szenen
- aber ziemlich mau, wenn man wirklich gutes Licht zum Arbeiten, Lesen oder Filmen braucht
CRI ≥80 – klingt okay, fühlt sich aber meistens billig an
Philips schreibt bei den Essential-Modellen meist CRI ≥80. Das ist jetzt kein Geheimtipp mehr: 80 ist nicht „gut“, das ist eher die untere Grenze, damit der Hersteller überhaupt noch „gute Farbwiedergabe“ schreiben darf.
Was das im echten Leben bedeutet, sieht man schnell:
- Farben wirken flach und blass
- Rot (besonders sattes Rot) kommt meistens viel zu schwach rüber
- Haut sieht schnell grau oder kränklich aus
- Essen (Steak, Tomaten, Obst) wirkt irgendwie unappetitlich
- Holz und warme Töne bekommen schnell diesen kalten Plastik-Look
Man kennt das Gefühl: Es ist hell – aber schön ist was anderes.
Bei RGB-Lampen wie dieser wird weißes Licht meist nicht durch eine richtig gute Weiß-LED erzeugt, sondern durch Mischung der Farbkanäle. Bei den günstigeren Modellen spart man da gerne an der spektralen Qualität – und das merkt man.
Neben einer richtig guten CRI-95+-Lampe fällt der Unterschied sofort auf: Die eine wirkt lebendig und natürlich, die andere… na ja… „geht so“.
Flimmern (PWM) – das Thema, das viele unterschätzen
Das zweite Ding ist das Flimmern (technisch: Pulsweitenmodulation = PWM). Die LED wird super schnell ein- und ausgeschaltet, um die Helligkeit zu regeln.
Kurz gesagt: Bei den meisten Smart-RGB-Lampen ist PWM drin. Die Frequenz liegt oft bei ca. 1000 Hz – fürs bloße Auge meist okay, aber nicht perfekt.
Probleme entstehen vor allem, wenn man:
- filmt / streamt → Rolling-Shutter-Streifen, Flackern in der Aufnahme, besonders bei Zeitlupe oder bestimmten Framerates
- empfindlich darauf reagiert → manche kriegen nach 1–2 Stunden Kopfschmerzen, Augenbrennen oder werden unruhig (vor allem beim Lesen oder langen Arbeiten am Screen)
Das ist keine Esoterik – das ist einfach Physik + individuelle Wahrnehmung. Und ja: Gerade abends, wenn man gedimmt und warmes Licht hat, wird das Flimmern bei vielen Lampen spürbarer.
Der ehrliche Eindruck nach ein paar Monaten
Ohne Messgerät bleibt am Ende dieses Bauchgefühl:
- Das Licht ist hell, aber irgendwie „künstlich“
- Weiß wirkt je nach Einstellung mal grünlich, mal rosa oder einfach nur leblos
- Als Arbeitslicht? Geht kurz, aber man will nicht stundenlang darunter sitzen
- Bunte Farbeffekte? Mega cool – aber das ist halt Effekt, kein vernünftiges Licht
Kurz: Die Essential ist eine super smarte Spielerei – aber keine Lampe, die man für gutes Licht kauft.
Wofür sie richtig gut ist (und wofür eher nicht)
Top geeignet für:
- indirektes Licht (hinterm Fernseher, im Regal, in der Ecke)
- gemütliche Abende, warmes Licht, Szenen
- Party- und Farbeffekte
- smarte Automationen (kommen nach Hause, Wecker-Simulation etc.)
Eher schlecht geeignet für:
- Schreibtisch / Homeoffice
- Leselampe neben dem Bett
- Werkstatt / Basteln / Präzisionsarbeit
- Video-Calls, Streaming, Fotografie
- alles, wo Farbtreue und flimmerarmes Licht wirklich zählen
Wenn du viel vor der Kamera sitzt oder konzentriert arbeitest – das ist einfach die falsche Preisklasse.
Wie man’s trotzdem clever macht (ohne alles wegzuschmeißen)
Du musst Hue nicht komplett abschreiben – einfach die Rollen klar verteilen:
- Hue Essential für Stimmung, indirekt, Farbe, Spaß
- für den Schreibtisch / Arbeitsplatz eine separate, richtig gute Weißlicht-Lampe (CRI 90–95+, flickerarm oder DC-Dimmung)
- für Kamera / Streaming eine kleine dedizierte Videoleuchte (Bi-Color, hoher CRI/TLCI)
Am Ende kommst du meist sogar günstiger weg, als wenn du versuchst, eine RGB-Birne zum Studio-Licht zu zwingen.
Kurzfassung – Fazit
Die Philips Hue Essential A60 ist:
- Smart → echt stark
- Lichtqualität → bestenfalls Mittelmaß
- Farben → kommen flach rüber (CRI ~80 reicht halt nicht)
- Flimmern → Thema, besonders bei Kamera und langen Sessions
- Gesamteindruck → „hell ja, aber irgendwie nicht richtig schön“
Willst du vor allem Stimmung und smarte Spielereien? Dann zugreifen. Willst du gutes, angenehmes, farbtreues Licht? Dann lieber weiterschauen.
Was denkst du – hast du die Essential schon ausprobiert und das gleiche gemerkt?
