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Shelly-Geräte komplett cloudfrei betreiben: Eine detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitung

4. Januar 2026SchalterCloudShelly
In der Welt des Smart Homes und der IoT-Geräte ist die Abhängigkeit von Cloud-Diensten ein häufiges Problem. Viele Hersteller binden ihre Produkte eng an proprietäre Server an, was zu Datenschutzbedenken, Latenzproblemen und Ausfällen bei Internetstörungen führt. Shelly-Geräte bilden hier eine erfreuliche Ausnahme: Sie können vollständig cloudfrei betrieben werden – und das nicht als inoffizieller Hack, sondern als offiziell unterstützter Modus. Dieser Ansatz ermöglicht ein robustes, schnelles und datensparendes System, das auch offline zuverlässig funktioniert. Dieser Blogbeitrag richtet sich an technisch versierte Anwender, die tiefer in die Materie eintauchen möchten. Wir gehen bewusst ins Detail, um eine umfassende Umsetzung zu gewährleisten. Am Ende dieses Artikels werden Sie in der Lage sein, Ihre Shelly-Geräte in ein lokales, unabhängiges Netzwerk zu integrieren, das auf Standards wie MQTT basiert und volle Kontrolle über Daten und Updates bietet.

Das Zielbild: Was bedeutet „cloudfrei“ konkret?

Bevor es an die Umsetzung geht, solltest Du das gewünschte Endergebnis klar definieren. Ein cloudfreies Shelly-System zeichnet sich durch folgende Punkte aus:

  • Lokale Kommunikation: Das Gerät kommuniziert ausschließlich über das lokale Webinterface und das MQTT-Protokoll.
  • Keine externen Verbindungen: Es gibt keine Verbindungen zu den Servern von Allterco Robotics.
  • Unabhängigkeit von Apps: Du brauchst keine Shelly-App, alles läuft über Standard-Tools.
  • Integration in smarte Systeme: Steuerung über Home Assistant, ioBroker, Node-RED oder eigene Software.
  • Volle Kontrolle: Updates, Netzwerkzugriffe und Datenflüsse liegen komplett in Deiner Hand.

In diesem Modus werden Shelly-Geräte von cloudabhängigen Gadgets zu robusten, skalierbaren IoT-Komponenten.


1. Grundvoraussetzungen

Eine erfolgreiche Umsetzung steht und fällt mit der Basis. Stelle sicher, dass folgende Punkte erfüllt sind.

Hardware

  • Shelly-Modelle: Unterstützt werden Geräte der Generationen 1, 2 und 3 (z. B. Shelly Plus 1, Shelly Pro 4PM). Achte darauf, dass das Modell zu Deinem Einsatz passt.
  • WLAN-Infrastruktur: Ein stabiles 2,4-GHz-Netz ist Pflicht. Vermeide Mesh-Systeme mit dynamischen IPs, da diese häufig Probleme verursachen. Empfohlen sind statische DHCP-Leases oder ein dediziertes IoT-VLAN.

Software und Infrastruktur

  • MQTT-Broker: Zentraler Nachrichtenverteiler, z. B. Eclipse Mosquitto. Installiere ihn auf einem Raspberry Pi, NAS oder Server im lokalen Netz.
  • Optionale Steuerung: Home Assistant, ioBroker oder Node-RED. Alternativ eigene Software in Python, Go oder anderen Sprachen.
  • Netzwerkzugriff: Admin-Rechte auf Router oder Firewall (pfSense, OPNsense, Fritz!Box), um Regeln setzen zu können.

Ohne diese Grundlagen wird die Einrichtung unnötig schwierig – prüfe sie vorab.


2. Ersteinrichtung über das lokale Webinterface

Shelly-Geräte lassen sich komplett ohne Cloud einrichten. Der Start erfolgt im Access-Point-Modus.

2.1 Shelly ins WLAN integrieren

  1. Schalte das Gerät ein. Es startet als Access Point mit der SSID Shelly[Modell]-[ID].
  2. Verbinde Laptop oder Smartphone mit diesem WLAN.
  3. Öffne im Browser http://192.168.33.1.
  4. Trage die Zugangsdaten Deines WLANs ein.
  5. Das Gerät startet neu und verbindet sich mit Deinem Netzwerk.
  6. Ermittle die neue IP-Adresse über Router, nmap oder Tools wie Fing.

Tipp: Notiere Dir die MAC-Adresse für eine spätere statische IP-Zuweisung.

2.2 Zugriff auf das Webinterface

Nach der Einbindung erreichst Du das Gerät unter:

http://<Shelly-IP-Adresse>

Dort kannst Du:

  • Relais und Sensoren manuell schalten
  • Netzwerk, Skripte und Funktionen konfigurieren
  • Firmware verwalten

Alles läuft komplett browserbasiert – keine App nötig.


3. Die Cloud endgültig deaktivieren

Jetzt folgt der entscheidende Schritt.

3.1 Cloud deaktivieren

Im Webinterface:

Settings → Cloud → Enable Cloud → OFF

Ab diesem Zeitpunkt:

  • Keine externen Serververbindungen
  • Keine Telemetrie
  • Keine App-Fernsteuerung

3.2 Überprüfung

  • Cloud-Status muss „Disconnected“ anzeigen
  • Prüfe Firewall-Logs oder nutze Wireshark, um sicherzugehen, dass keine Verbindungen zu shelly.cloud bestehen

Sollten trotzdem Verbindungen auftreten, prüfe Firmware-Version und Neustarts.


4. MQTT-only-Betrieb einrichten

MQTT ist das Rückgrat des cloudfreien Betriebs.

4.1 MQTT aktivieren

Im Webinterface:

Settings → MQTT
  • Enable MQTT: ON
  • Server: IP Deines MQTT-Brokers
  • Port: 1883 (unverschlüsselt) oder 8883 (TLS)
  • Benutzer/Passwort: setzen
  • Client ID: eindeutig, z. B. shellyplus1-ABC123

4.2 Topics verstehen

Beispiele:

  • Status:

    shellies/shellyplus1-ABC123/relay/0
    
  • Befehl:

    shellies/shellyplus1-ABC123/relay/0/command
    

Payloads: ON, OFF, toggle

Mit Tools wie MQTT Explorer kannst Du alles testen.

4.3 Vorteile von MQTT-only

  • Sehr geringe Latenz
  • Event-basiert, kein Polling
  • Hoch skalierbar
  • Komplett herstellerunabhängig

5. Lokale Steuerung ohne Cloud

Nach der MQTT-Einrichtung kannst Du Shelly flexibel integrieren:

  • Home Assistant: Native Integration oder MQTT
  • ioBroker: Shelly- oder MQTT-Adapter
  • Node-RED: Visuelle Logik und Automatisierungen
  • Eigene Software: Python (paho-mqtt), Go, C usw.

Das Verhalten entspricht professioneller IoT-Hardware.


6. Firewall-Regeln: Shelly einsperren

6.1 Ziel

  • Erlauben: LAN + MQTT
  • Blockieren: Internet

6.2 Beispielregeln

Erlauben

  • TCP 80/443 → lokales Netz
  • TCP 1883 oder 8883 → MQTT-Broker

Blockieren

  • ANY → WAN

Zusätzlich:

  • DNS nur lokal
  • NTP intern, falls nötig

6.3 Ergebnis

  • Schutz vor ungewollten Verbindungen
  • Volle Kontrolle über Updates
  • Maximale Isolation

7. Firmware und Updates ohne Cloud

Updates bleiben komplett bei Dir:

  • Webinterface: Settings → Firmware → Update
  • Alternativ lokale OTA-URL nutzen

Empfehlungen:

  • Automatische Updates deaktivieren
  • Changelogs lesen
  • Versionen für Stabilität einfrieren

8. Vor- und Nachteile gegenüber Cloud-Betrieb

Vorteile

  • Keine Hersteller-Abhängigkeit
  • Funktioniert offline
  • Schnellere Reaktionen
  • Maximaler Datenschutz
  • Skalierbar
  • Keine App-Zwänge

Nachteile

  • Kein Fernzugriff ohne VPN
  • Mehr Eigenverantwortung
  • Manuelles Update-Management
  • Weniger Komfort

Für technisch Versierte überwiegen klar die Vorteile.


9. Typische Fehler und wie Du sie vermeidest

Häufige Probleme:

  • Mesh-WLAN ohne feste IPs → statische Leases nutzen
  • MQTT ohne Authentifizierung → Sicherheitsrisiko
  • Automatische Updates → Cloud-Funktionen kommen zurück
  • Alles im selben Netz → IoT in eigenes VLAN auslagern

Best Practices:

  • Backup-MQTT-Broker
  • Monitoring mit MQTT LWT

Fazit

Der cloudfreie Betrieb von Shelly-Geräten ist der technisch saubere und langfristig sinnvolle Weg. Du gewinnst Geschwindigkeit, Stabilität, Kontrolle und Unabhängigkeit – und machst aus einfachen Smart-Home-Geräten ernstzunehmende Automatisierungskomponenten.

Wenn Du willst, kann ich Dir konkrete Firewall-Regeln (z. B. pfSense), ein MQTT-Topic-Cheatsheet oder praxisnahe Beispiele für Home Assistant oder Node-RED ausarbeiten.