Was Shelly eigentlich anders macht
Während die meisten Smart-Home-Systeme auf proprietären Funkprotokollen, zentralen Hubs und meistens auch auf ständiger Internetverbindung bestehen, geht Shelly konsequent den anderen Weg:
- Reines WLAN (2,4 GHz)
- Vollständig lokale Steuerung möglich
- Jedes Gerät bringt sein eigenes kleines Webinterface mit
- REST-API, MQTT, WebSocket – alles offen und dokumentiert
- Cloud-Anbindung? Optional und abschaltbar
Das Ergebnis: Du bist nicht Kunde eines Ökosystems, sondern betreibst einfach Netzwerkgeräte, die zufällig auch Schalten, Dimmen und Messen können.
Die Hardware – klein, aber mit Substanz
Die klassischen Shelly-Relais passen in fast jede Unterputzdose – vorausgesetzt, man hat genug Platz und Nerven. Besonders beliebt sind:
- Shelly Plus 1 / 1PM – das Arbeitstier für einfaches Ein/Aus + Strommessung
- Shelly Plus 2PM – nach wie vor der Favorit für Rollläden und Jalousien
- Shelly Pro-Serie – DIN-Schiene für Verteilerkästen, deutlich professioneller Look & Feel
- Dimmer 2 / Dimmer Pro – für Phasenanschnitt/Phasenabschnitt, inzwischen sehr ausgereift
- Shelly Plus Add-on – wenn man Sensoren direkt anklemmen möchte
Das mit Abstand wichtigste Feature vieler Modelle ist die integrierte Strommessung (PM steht für Power Metering). Plötzlich siehst du nicht nur, ob etwas an ist – du siehst, wie viel es wirklich verbraucht, wie lange es läuft und manchmal sogar, ob irgendetwas nicht mehr stimmt (z. B. eine blockierte Rollladenmechanik, die plötzlich deutlich mehr zieht).
Wie sieht Praxis wirklich aus?
Hier ein paar Szenarien, die in vielen Haushalten inzwischen Alltag sind:
- Waschmaschine & Trockner → Strom > 10 W für > 3 Minuten → Push-Nachricht „Fertig“ → Strom < 3 W für > 15 Minuten → wirklich aus (Standby-Killer)
- Rollläden mit Wetterautomatik → Bei > 80 % Wolkenbedeckung und Temperatur < 21 °C → 30 % runter → Bei starker Sonne + Temperatur > 26 °C → komplett runter → Ab 22:30 Uhr immer 100 % zu (wenn niemand zuhause ist)
- Anwesenheitssimulation light → Zufällige Lichtmuster zwischen 19:00 und 23:30 Uhr, aber nur wenn das Haus wirklich leer ist
- PV-Überschusseinspeisung light → Wenn Leistung > 4000 W und Speicher voll → Boiler für 30–60 Minuten einschalten
- Garagentor mit Auto-Close → Tor > 12 Minuten offen + Handy nicht im Heim-WLAN → Tor zu + Info
Die Schattenseiten – ehrlich bleiben
Shelly ist kein Plug-and-Play-System und wird es nie sein.
Typische Stolpersteine:
- Platzmangel in sehr flachen Unterputzdosen
- Fehlender Neutralleiter (vor allem bei alten Installationen)
- WLAN-Reichweite & Kanalbelastung bei 30+ Geräten
- Die offizielle Shelly-App ist funktional, aber optisch und bedienungstechnisch eher Mittelmaß
- 230 V – wer hier unsicher ist, sollte wirklich die Finger lassen oder einen Elektriker ranlassen
Fazit nach mehreren Jahren im echten Einsatz
Shelly ist kein Lifestyle-Produkt mit schicker Verpackung und hippen Marketing-Videos. Es ist Werkzeug. Ehrliches, günstiges, extrem leistungsfähiges Werkzeug.
Wenn du … deine bestehende Elektroinstallation möglichst unsichtbar smart machen willst, … keine Lust auf Vendor-Lock-in und monatliche Abo-Fallen hast, … gerne selbst Hand anlegen und verstehen willst, was eigentlich passiert,
dann ist Shelly aktuell (Anfang 2026) nach wie vor eine der cleversten und zukunftssichersten Entscheidungen im privaten Smart-Home-Bereich.
Klein, grau, günstig – und erstaunlich mächtig.
Hast du schon Shelly im Einsatz? Welches Szenario hat bei dir den größten „Aha“-Effekt ausgelöst? Ich bin gespannt auf eure Geschichten in den Kommentaren. 😊
