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Smarte Lampen, schlechtes Licht – Warum CRI 80 einfach nicht mehr reicht

3. Januar 2026Licht allgemein
Die meisten Menschen kaufen ihre erste smarte Lampe aus einem einzigen Grund: Bequemlichkeit. Licht per App an, Farbe wechseln, beim Fernsehen automatisch dimmen, morgens sanft hochfahren – das alles funktioniert tatsächlich ziemlich gut. Und doch bleibt bei sehr vielen Nutzern nach einigen Monaten ein leises, schwer greifbares Unbehagen zurück.

Man kann es oft gar nicht sofort benennen. Die Wohnung wirkt irgendwie... flach. Hauttöne sehen seltsam aus. Holz verliert seinen Charakter. Farben wirken, als hätte jemand einen Grauschleier darübergelegt. Das Phänomen hat einen Namen und ist messbar: mangelhafte Farbwiedergabe.

CRI 80 – der unsichtbare Kompromiss der Smart-Home-Ära

Der Color Rendering Index (CRI) sagt aus, wie natürlich Farben unter einer Lichtquelle wirken – im Vergleich zum Sonnenlicht (CRI 100). Die gängige Klassifizierung sieht heute so aus:

  • CRI < 80 → deutlich schlechtes Licht (meistens zu vermeiden)
  • CRI 80–85 → Standard-LED-Qualität, wie sie in den meisten günstigen Leuchten steckt
  • CRI 90–93 → spürbar gutes Licht, für die meisten Wohnräume völlig ausreichend
  • CRI 95+ → sehr hochwertig, fast referenztauglich

Und genau hier beginnt das Problem der smarten Lampen: Die allermeisten aktuellen Modelle bewegen sich stur im Bereich 78–84 CRI. Selbst bei Marktführern liegt der Wert in der Regel selten deutlich über 82. Bei vielen No-Name- und günstigen RGB-Lampen wird der CRI-Wert überhaupt nicht mehr angegeben – und das hat seinen Grund.

Warum smarte Lampen fast zwangsläufig schlechteres Licht liefern

Es handelt sich um eine klassische Ingenieurs-Kosten-Nutzen-Rechnung mit sehr begrenztem Platz:

  1. In eine normale E27-Fassung müssen rein: Netzteil, Funkmodul (Zigbee/WiFi/Bluetooth), RGB-LEDs + meist separate Warm-/Kaltweiß-LEDs
  2. Hochwertige LED-Chips mit exzellenter Spektralverteilung sind deutlich größer und teurer
  3. RGB-LEDs sind für buntes Effektlicht optimiert – für sauberes, vollspektrales Weißlicht sind sie ein Kompromiss (und zwar ein großer)
  4. Das Marketing honoriert „16 Millionen Farben“ und nicht „Ra1/Ra2-Werte bei 4000 K“

Das Ergebnis kennen die meisten von uns: Bei 2700–3000 Kelvin sieht das Licht auf dem Papier warm aus – und fühlt sich trotzdem irgendwie „LED-künstlich“ an.

Die harte Realität bei bekannten Marken (Stand Anfang 2026)

  • Philips Hue → stabil, hervorragende Software, CRI meist 80–83
  • WiZ → sehr günstig, gute App, CRI meist 80–82
  • Govee → extrem bunt, günstig, Lichtqualität meist mittelmäßig bis unterdurchschnittlich
  • IKEA Trådfri / STYRBAR → preislich attraktiv, CRI meist im hohen 70er bis niedrigen 80er Bereich
  • Viele Matter-Lampen → technisch modern, Lichtqualität meist weiterhin nachrangig

Funktionieren tun sie alle. Aber „funktionieren“ und „gutes Licht abgeben“ sind zwei verschiedene Paar Schuhe.

Wie man trotzdem beides haben kann – smarte Steuerung + wirklich gutes Licht

Wer nach einiger Zeit merkt, dass ihm die Lichtqualität wichtiger ist als die Farbwechselfunktion, landet meist bei einem der beiden realistischen Ansätze:

Weg 1 – Die Königsdisziplin: Hochwertige LED-Streifen mit CRI 95+

  • LED-Streifen mit nachgewiesenem CRI ≥95 (am besten CRI 97–98 + hohe TM-30-Werte)
  • Sehr sauberes, abgeschirmtes Netzteil
  • Guter, gleichmäßiger Diffusor
  • Ansteuerung wahlweise über Zigbee-Dimmer, guten PWM-Controller oder vollwertigen DMX-Decoder

→ Ergebnis: Lichtqualität auf Referenzniveau, beliebig skalierbar, keine RGB-Kompromisse → Aufwand: deutlich höher, kein klassisches Plug-and-Play

Weg 2 – Die pragmatische, extrem unterschätzte Lösung Hochwertige, nicht-smarten Leuchtmittel (CRI 92–98) + smarte Schalttechnik

Beispiele für die Steuerung:

  • smarte Steckdosen (Shelly, Athom, Sonoff)
  • smarte Unterputz-Aktoren / Relais
  • smarte Wandschalter (z. B. Shelly Wall Switch oder Friends of Hue)
  • Zigbee-Phasenabschnittdimmer für dimmbare Leuchtmittel

Vorteile dieses Weges:

  • Beste verfügbare Lichtqualität im Wohnbereich
  • Immer noch Zeitpläne, Automation, Sprachsteuerung, Szenen möglich
  • Kein Cloud-Zwang (bei lokalen Lösungen)
  • Deutlich längere Lebensdauer der Leuchtmittel

Nachteil: Du kannst die Farbtemperatur und den Farbton nicht mehr sekündlich per App umfärben. Für 95 % der Alltagssituationen ist das aber gar kein echter Verlust.

Fazit – Es ist eine klare Prioritätenfrage

Smart-Home-Beleuchtung und hochwertiges Licht schließen sich nicht grundsätzlich aus – aber sie vertragen sich in der aktuellen Generation von Consumer-Produkten sehr schlecht.

Wenn Licht für dich nur nette Beleuchtung ist → aktuelle smarte Lampen reichen völlig. Wenn Licht jedoch Arbeitsmittel, Stimmungsmacher, Raumatmosphäre oder sogar Gesundheitsfaktor sein soll → kommst du um die Auseinandersetzung mit CRI, TM-30 und spektraler Qualität nicht herum.

Die klügste Haltung lautet aktuell wohl:

Smart steuern – ja. Schlechtes Licht akzeptieren – nein.

Und manchmal bedeutet genau diese Haltung am Ende sogar weniger Technik – und deutlich mehr Lebensqualität.